Dr. Wuff Titelbild
Zeichnung von Heidi Schneider

Dr. Wuff – Kapitel 1: Lindenhof

“Hast du das gehört?” fragte Mareike ihre Chefin, während die gerade dabei war, die spärlichen Einnahmen des Tages abzurechnen. Wie jeden Mittwoch war der Lindenhof am Kölner Stadtrand schlechter besucht als an allen anderen Tagen. “Was denn?” fragte diese abwesend zurück und zählte dabei weiter die 5 Euro Scheine in ihrer Hand. Mareike hatte kurz inne gehalten und die Ohren gespitzt. “Vergiss es.” sagte sie, als sie nichts mehr hörte und wischte die Tische des Restaurants weiter ab. Ein plötzliches Gepolter im Innenhof ließ beide Frauen aufschrecken. Die beiden tauschten Blicke aus und Sonja gab Mareike mit einem Zeichen zu verstehen, dass sie die Polizei rufen solle. Der Innenhof war mit einem eisernen Gittertor von der Straße abgeschnitten. Wer sich hier Zugang verschaffte, der hatte sicher nichts Gutes im Sinn.

Sonja bewaffnete sich mit einem großen Fleischmesser aus der Küche und stand nun unsicher vor der Tür zum Innenhof, in dem nur die Mülltonnen lagerten. Sonja wollte den Einbrecher erschrecken und betätigte den innen angebrachten Lichtschalter für die Hofbeleuchtung, die sogleich ansprang und ihre Wirkung nicht verfehlte. Die Geräusche von draußen wurden lauter, eine der Tonnen wurde scheinbar umgestoßen. Sonja nahm all ihren Mut zusammen, öffnete die Tür rückartig und schrie dabei “Verschwinden Sie sofort aus meinem Hof! Die Polizei ist schon unterwegs!”. Noch während sie das rief, stellte sie verduzt fest, dass niemand zu sehen war.

Sie sah sich um, in der Angst, überrascht zu werden, aber da war niemand. Das Gittertor war verschlossen, da konnte niemand eingebrochen sein. Die Geräusche waren jedoch nur für den Moment verstummt und nun raschelte es aus der umgeworfenen gelben Tonne. “Da passt doch kein Mensch rein!” dachte Sonja und wagte sich näher heran. Die Tonne war so gefallen, dass der Deckel offen auf dem Boden lag. Sonja ging langsam um die Tonne herum, um rein schauen zu können. Sie umklammerte dabei immer noch das Fleischermesser mit beiden Händen. Als sie jedoch erblickte, was für die Geräusche verantwortlich war, fiel die Angst unmittelbar von ihr ab. In mitten der Verpackungsreste saß ein kleines, sehr verdrecktes Etwas, das sich an den Essensresten bediente.

Mareike hatte derweil die Polizei verständigt und wagte einen Blick in den Hof, um dort Sonja vor einer der Mülltonnen hockend vorzufinden. “Ist alles in Ordnung? Was ist passiert?” In der Ferne war schon die Sirene eines Einsatzwagens zu vernehmen. “Ich glaube es war nur ein hungriges Tier. Hier schau mal, aber vor lauter Dreck und Fell kann man nicht viel erkennen.” sagte Sonja und erhob sich aus ihrer Position. Um der Polizei direkt Einlass zu gewähren, ging sie zum Gittertor und schloss es auf. Wie erwartet, es war vollständig abgeschlossen, kein Einbrecher war hier durch gekommen. Das Tier musste sich zwischen den Gitterstäben hindurch gezwängt haben.
Nach diversen Einbrüchen und Überfällen in der Gegend, auch schon im Lindenhof, hatte Sonja die Hoftür verstärken und erhöhen lassen. Seitdem hatten sie zum Glück Ruhe gehabt. Sie ging durchs Tor auf die Straße, an der gerade der Polizeiwagen mit ohrenbetäubender Sirene zum Stehen kam und zwei Beamte links und rechts aus dem Wagen sprangen. Im selben Moment rannte das verdreckte Etwas an ihnen vorbei über die Straße und war an der nächsten Abbiegung verschwunden.
“Lassen Sie das Messer fallen!” riefen die Polizeibeamten der verdutzten Sonja zu, während die noch dem hungrigen kleinen Wesen hinterher schaute und ganz vergessen hatte, dass sie immer noch das große Fleischermesser in der Hand hielt.

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