Zeichnung von Heidi Schneider

Dr. Wuff – Kapitel 10: Notfall!

Mein Drang mich zu erleichtern reißt mich aus einem wilden Traum von brennenden Häusern und flüchtenden Hunden und ich bin dankbar dafür. Ich hüpfe vom Bett, versuche Paul damit nicht zu wecken, und schüttle erstmal den Alptraum von mir ab. 
Auf dem Weg zur Hundeklappe höre ich bereits Geräusche aus dem Garten und nehme Hugos Geruch wahr. Ich schlüpfe durch das mit einer Klappe verdeckte Loch in der Tür und erblicke ihn direkt im Schein der Laterne stehend. Sein Anblick jagt mir im ersten Moment einen Schrecken ein und ich muss aus Reflex aufjaulen. 

“Hugo, was ist mit dir passiert? Dein Ohr!” presse ich besorgt hervor und kann den Blick nicht von seinem halb abgerissenen Ohr abwenden. “Herrchen..” bringt Hugo noch hervor, bevor er röchelnd vor mir zusammen bricht. Ich verschwende keine Zeit und renne zurück ins Haus und wecke Paul mit meinem lautesten Gebell.
“Wuff, was soll das?” sagt Paul schlaftrunken, während ich vor dem Bett stehe und ihn immer weiter anbelle. Könnte er doch nur verstehen, was ich sage! Ich renne vor und zurück, signalisiere ihm, mir zu folgen. Er schaltet schnell. “Hast du was entdeckt? Muss ich das JETZT angucken Wuff? Solche Spielchen machst du doch sonst nicht mitten in der Nacht.” murmelt Paul mehr zu sich selbst und schlägt die Bettdecke zur Seite, um aus dem Bett zu steigen. Ich renne zurück zur Hundeklappe und belle in Richtung Paul, der mir langsam gefolgt ist und die Tür zum Garten öffnet. Auch er sieht sofort, um was es geht und rennt die kurze Strecke zu Hugo, den er sogleich vorsichtig auf den Arm nimmt und ihn zum Auto trägt. Er legt Hugo behutsam vor dem Auto auf der Wiese ab, um zurück ins Haus zu laufen und den Autoschlüssel zu holen. Ich spreche Hugo derweil gut zu “Jetzt wird alles gut Hugo, Herrchen wird nicht zulassen, dass dir noch etwas passiert! Bleib wach alter Freund, du bist nicht allein!”. Hugos Augen sind geöffnet, aber sein Blick ist schwach und traurig. “Ich hab alles falsch gemacht Wuff” flüstert er mir zu. “Ich hab wieder alles falsch gemacht..” – “NEIN Hugo! Dein Herrchen hat alles falsch gemacht was man nur falsch machen kann!” wuffe ich energisch, im selben Moment kommt auch Paul, nun mit Jacke und Schuhen bekleidet und mit Schlüssel in der Hand zu uns gelaufen. Er öffnet die Beifahrertür, damit ich einsteigen kann, aber ich bleibe bei Hugo. Paul öffnet den Kofferraum und breitet eine Decke aus, auf die er Hugo sanft ablegt. Ich hüpfe hinein und lege mich neben Hugo, Paul versteht.
Alles geht ganz schnell, die Fahrt zur Tierklinik dauert glücklicherweise nicht lange, Paul ruft vom Auto aus bereits dort an um uns anzukündigen und bei unserer Ankunft sind da direkt Arme, die Hugo auf eine Trage heben und in die Klinik tragen. Ich bleibe zurück im Kofferraum und schaue Paul traurig an, der genau so traurig davor steht.

Auf der Fahrt zurück schweigt Paul und auch ich gebe keinen Laut von mir. Wir sind beide von den Erlebnissen der Nacht aufgewühlt. Zu Hause angekommen steht Paul zögernd vor der Haustür, schließt sie aber auf und öffnet sie mir, während er nachdenklich davor stehen bleibt. Ich laufe schnurstraks in den Garten, um mich endlich zu erleichtern, was bei Hugos Notfall eben nebensächlich war. Vom Garten aus höre ich aber, wie Herrchen sich vom Haus entfernt. Was macht Herrchen? Ich beschließe, ihm zu folgen und schlüpfe durch die Stelle in der Hecke, die Hugo immer nutzt. Paul geht bereits festen Schrittes die Straße entlang und ich folge ihm mit etwas Abstand. Je weiter er läuft, desto mehr ahne ich, was er vor hat.

Vor dem Haus von Hugos Herrchen bleibt er stehen, tippt auf seinem Smartphone und hält es sich ans Ohr. Wen ruft er denn an? Ich schleiche mich näher, um das Telefonat zu belauschen. “Hallo, ich möchte jemanden wegen Misshandlung eines Hundes anzeigen. Nein, nicht mein eigener. Vom Nachbarn. Ja. Beweise liegen in der Tierklinik und werden gerade operiert!” ruft er nach einiger Zeit wütend ins Telefon. “Dann möchte ich jemanden wegen Körperverletzung anzeigen. Ja, ich bin Geschädigter. Jetzt gerade, kommen sie bitte her, schnell!” ergänzt Paul und gibt dem Gesprächspartner die Adresse durch.

Nachdem er aufgelegt hat, kann ich sehen, wie Paul tief Luft holt und lange ausatmet, bevor er die wenigen Schritte bis zur Haustür von Hugos Herrchen geht und klingelt. Da sich im Haus keine Regung zeigt, betätigt Paul die Klingel noch mal. Und noch mal. Und als er sie zum vierten Mal drückt und nicht mehr los lässt wird endlich die Tür geöffnet.
“WAS?!?” schreit ihm der Mann wütend durch die halb geöffnete Tür entgegen. “Vermissen Sie Ihren Hund?” höre ich Paul sagen. “Was geht dich das an? Was willst du überhaupt von mir? Mitten in der Nacht!” erwidert der Kerl schroff. “Ich frage, weil ihr Hund eben in meinem Garten verletzt zusammen gebrochen ist!” spricht Paul gerade noch aus, da kommt der Kerl aus der Tür getreten und ihm bedrohlich nahe. “Was willst du damit sagen Freundchen? Dass ich meinen Hund nicht gut behandle?” – “Offensichtlich nicht. Wenn Sie nicht ständig betrunken wären würden Sie das vielleicht selber sehen. Ihre Fahne ist kaum zu ertragen!” provoziert Paul den Mann, der sich in Unterhemd und Jogginghose vor Paul aufgebaut hat wie ein Stier, der Rot sieht. “Pass mal auf was du sagst du kleiner Pisser!” – “Ich werde dafür sorgen, dass Sie nie wieder Hunde halten dürfen, das verspreche ich Ihnen!” droht Paul, da holt der Prolet zum Schlag aus.
Das ist mein Signal, ich sprinte von meinem Beobachtungsposten los und renne auf die prügelnden Männer zu, belle dabei aus tiefster Kehle und komme zeitgleich mit dem Blaulicht bei ihnen an. Der Prolet lässt sich weder von den einfahrenden Polizeiwagen aufhalten, noch von meinem Gebell. Er prügelt auf Paul ein, der versucht sich zu wehren, aber zu unerfahren im Kampf ist und daher einiges einstecken muss. 

Ich bin zu sehr auf das Szenario konzentriert und mein Gebell, deshalb sehe ich den Fuß des Prolls nicht kommen und werde von seinem Tritt einige Meter weit weg geschleudert und bleibe benommen liegen. Der letzte Schlag, der sitzt, bevor die Polizisten den Mann festnehmen können, ist Pauls. Er schlägt mit voller Wucht zu und rennt sofort zu mir, um nach mir zu sehen. Gefolgt von Polizisten, die zunächst auch ihn festnehmen wollen. Wieder bei vollem Bewusstsein bekomme ich das Gespräch mit, in dem Paul den Polizisten alles erklärt, seinen Anruf, Hugo, die Prügelei. Während er erzählt streichelt er beruhigend über meinen Kopf. Die Polizisten nehmen den Proleten mit und lassen uns zurück, nachdem sie Pauls Daten notiert haben.

“Wuff, oh Gott Wuff! Kannst du aufstehen? Kannst du gehen?” fragt er mich besorgt. Ich erhebe mich und jaule direkt auf vor Schmerz. Der Proll scheint mich böse getroffen zu haben, mein Bauch tut richtig doll weh und jede Bewegung und jeder Atemzug schmerzt. “Warte hier Wuff! Ich hole das Auto!” sagt Herrchen und rennt nach Hause. Ich höre und bleibe, versuche nicht zu tief zu atmen um die Schmerzen nicht zu provozieren. Aber wenigstens ist der böse Halter von Hugo jetzt weg, das hat Herrchen gut gemacht. Da fährt Herrchen schon mit dem Wagen vor. Er steigt aus und läuft um das Auto herum, um den Kofferraum zu öffnen. Dann kommt er zu mir, nimmt mich behutsam in seine Arme und legt mich genau so vorsichtig im Kofferraum auf die Decke, auf der eben noch Hugo gelegen hat. Die Schmerzen dabei sind furchtbar, aber sicher nichts im Vergleich zu Hugos.
Wieder ein Anruf in der Klinik, wieder dauert die Fahrt nicht lange. Ich stehe auf, als der Kofferraum sich öffnet. Paul hebt mich vorsichtig raus und ich gehe einige Schritte. Das geht. Nur nicht zu tief atmen. Nur gehen. Ich nehme Pauls besorgten Blick wahr, während wir den kurzen Weg vom Parkplatz zum Eingang der Tierklinik gehen. Ich kann das, ich kann selber laufen. Die Schmerzen, als Paul mich in den Kofferraum gehoben hat waren viel schlimmer.

In der Klinik herrscht selbst zu solch nächtlicher Stunde ein reger Trubel. Kaum am Empfang angekommen, werden wir schon in ein Zimmer geführt. Wieder die Schmerzen, wieder hebt Paul mich hoch um mich auf den Behandlungstisch zu setzen. Ich jaule vor Schmerzen, kann sie kaum noch verbergen vor meinem besorgten Herrchen. Die Ärztin kommt. Ich kenne die Ärztin, sie ist immer ganz lieb zu mir! “Hallo Frau Dr. Bader, danke, dass sie sofort Zeit für uns haben. Wuff wurde eben übel in den Bauch getreten, mit voller Wucht! Er scheint starke Schmerzen zu haben und hat sich eingenässt.” ergänzt er. Erst da fällt mir mein nasses Fell am Bauch und den Beinen auf. Der Geruch ist mir sofort unangenehm, aber die Schmerzen überdecken alles. “Wir müssen Wuff röntgen, um herauszufinden, ob er Rippenbrüche oder innere Verletzungen hat.” sagt die Ärztin und schiebt den Behandlungstisch weg von Paul und aus dem Raum in einen anderen, dunkleren Raum. Die Ärztin redet beruhigend auf mich ein, während sie mich vorsichtig auf die Seite legt und meinen Kopf streichelt. “Du musst jetzt kurz still halten Wuff, geht ganz schnell.” sagt sie und zieht sich eine komische Schürze an. Dann höre ich ein Geräusch und sie sagt “Ok, das wars auch schon. Jetzt bringen wir dich zurück zu deinem Papa. Ines? Bring Wuff ruhig schon mal zurück, ich schaue mir die Aufnahme an.” und eine andere Frau schiebt den Tisch wieder zurück zu Paul. Ich bleibe ruhig liegen, denn in dieser Position tut es nicht so weh wie im Sitzen. 

Paul fängt sofort an meinen Kopf zu streicheln, als ich wieder bei ihm bin. “Da hat Wuff aber Glück gehabt.” sagt die Ärztin, als sie den Raum wieder betritt. “Ja?” erwidert Paul hoffnungsvoll. “Kein Bruch zu erkennen, auch keine inneren Blutungen. Aber auch eine starke Prellung kann unglaublich schmerzhaft sein und seine Atmung beeinträchtigen. Ich verabreiche ihm ein Schmerzmittel und gebe Ihnen welches mit. Das können Sie ihm drei Mal täglich geben, ruhig für die nächsten drei Tage. Dann würde ich ihn gern noch mal sehen.” sagt die Ärztin und gibt der anderen Frau ein Zeichen, um eine Spritze vorzubereiten. Ich halte ganz still und Paul streichelt mir den Kopf, als die Ärztin mir ins Bein piekst und ich kurz darauf ein wohliges Gefühl merke. Das tut gut. Ich schlecke Pauls Hand aus Dankbarkeit und Liebe. 

Ich hab ein tolles Herrchen.

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