Zeichnung von Heidi Schneider

Dr. Wuff – Kapitel 11: Der Morgen danach

Hey, was riecht denn hier so gut? Meine Augen sind noch geschlossen, aber meine Nase ist bereits hellwach, als sie den Geruch von frischer Möhrensuppe wahr nimmt. Ich nehme einen tiefen Zug von dem leckeren Duft und bereue es sofort. Ein Jaulen entweicht mir, als ich vor Schmerz reflexartig wieder ausatme. Ich erinnere mich, Hugo, sein Herrchen, der Tritt. “Ohje Wuff, fängt der Tag schon mit Schmerzen an? Mein armer Wuff!” sagt Paul, der ans Bett getreten ist und mich mitleidig ansieht. “Ich mach dir mal dein Schmerzmittel klein und misch es unter die Möhrensuppe, dann gehts dir gleich besser.” sagt er und geht zurück in die Küche. Ich erhebe mich langsam und in Erwartung, jeden Moment die Schmerzen zu spüren, aber so schlimm wie noch vor einigen Stunden ist es nicht mehr.
Ich tapse an die Bettkante, an der ich normalerweise immer vom Bett springe, und bin von der Rampe überrascht, die Paul dort angebracht hat. Moment mal, die kenn ich doch! Als ich noch kleiner war, kam ich nicht allein aufs Bett und Paul hatte mir diese Rampe gebaut, damit ich jederzeit rauf und runter vom Bett konnte. Wie klug mein Herrchen ist! Er hat sie all die Jahre aufgehoben! Die Rampe herunter tapsend merke ich die Schmerzen in der Bauchgegend nur ein ganz kleines bisschen, ich will mir gar nicht vorstellen, wie das runter hüpfen jetzt gewesen wäre.

Dem Geruch der gekochten Möhren folgend tapse ich in die Küche, in der Paul gerade im Napf eine Portion mit der zerkleinerten Tablette vermischt. Ich setze mich schon artig an meinen Futterplatz und Paul stellt den Napf vor mir ab, in den ich sofort meine Schnauze vergrabe. Ich bin so hungrig! Die Nacht war wirklich aufreibend. Ich schmecke das Tabletten-Pulver, aber ich weiß, dass es helfen wird, also fresse ich ungehemmt weiter. “Mein armer Wuff! Du mutiger kleiner Kerl!” sagt Paul in mein Schmatzen hinein. Ich halte inne und schaue ihn an, da tritt ein Lächeln auf sein Gesicht: “Dein ganzer Bart ist orange! Den machen wir gleich erstmal sauber und dann holen wir Hugo ab!” sagt Paul lachend. Meine nach vorne zuckenden Ohren zeigen ihm, dass ich verstanden habe und ich schlabbere weiter meine Suppe. Die Stille wird vom Klingeln des Telefons unterbrochen.

“Hallo? Ah, Kirsten, danke, dass du dich so schnell meldest!” freut sich Paul, bevor eine lange Pause entsteht. Ich lausche, während ich mir die Reste von den Lippen schlecke. “Ja, das hab ich mir fast gedacht, der war mir immer suspekt. Du, ich wollte gleich los und Hugo in der Klinik abholen, Frau Dr. Bader hat vorhin angerufen und gesagt, dass er über den Berg ist und jetzt Ruhe braucht um zu genesen. Ich hab mir überlegt.. na, weißt du, Wuff kennt ihn ja auch schon so lange und bei euch ist ja immer was los, deshalb dachte ich, er bleibt einfach erstmal bei mir. Was meinst du?” fragt Paul schüchtern ins Telefon. Hab ich das richtig verstanden? Paul gehört meine volle Aufmerksamkeit und ich wedle wie wild mit dem Schwanz, was ihm nicht entgeht. “Ich glaube, Wuff würde sich auch sehr freuen, er wedelt hier schon ganz aufgeregt rum. … Ja, ok, dann sehen wir uns gleich dort. Ich freu mich, danke dir!” sagt Paul total euphorisch und beendet das Telefonat.
“Wuff, wir bekommen einen neuen Mitbewohner, zumindest, bis es ihm wieder besser geht. Und den holen wir jetzt ab! Komm kleiner Superheld, fahren wir zu Hugo.”.

In der Tierklinik angekommen fällt es mir schon viel leichter, aus dem Auto zu hüpfen. Die Schmerzmittel helfen. Ich hoffe, Hugo geht es auch schon besser. Ich kann ihn riechen, aber auch all die anderen Tiere, deren Gerüche sich mit dem von Putzmittel und Menschen vermischt. Obwohl heute Samstag ist, ist die Tierklinik rappel voll. Während Paul bereits mit einer Arzthelferin spricht, sehe ich durch die Tür Kirstens Auto ankommen. Die alte Dame steigt gebrechlich langsam aus ihrem Auto aus kommt mit einem Ordner in der Hand in Richtung Tür. Paul entdeckt sie noch rechtzeitig, um sie ihr höflich aufzuhalten. “Guten Morgen nochmal und danke, dass du hier bist!” – “Na ist doch klar, bei solch einem Notfall muss sofort gehandelt werden! Ich bin froh, dass du ihn aufnimmst. Bei euch wird er sich gut erholen, da bin ich mir sicher.” – “Oh ja, da bin ich mir auch sicher. Guten Morgen allerseits!” schaltet sich die nette Ärztin von letzter Nacht ein, die dazu gekommen ist. “Folgen Sie mir, der tapfere Patient freut sich schon auf Sie!” lädt sie uns in ein hinteres Behandlungszimmer ein.
Hugo liegt schwanzwedelnd auf dem Behandlungstisch und lässt sich von einer Arzthelferin mit Leckerlis füttern, als wir den Raum betreten. “Wuff! Wuff! Da bist du ja! Danke Wuff!” bellt Hugo sofort los und Paul hat große Mühe, den großen Labrador auf dem Tisch zu halten, als er mich erblickt. “Hugo, beruhig dich, alles gut mein Freund, jetzt wird alles gut!” wuffe ich mit leiserer Stimme zurück und er kommt sogleich zur Ruhe. “Ganz fein Hugo, alles gut Junge.” ergänzt Paul, der unsere Unterhaltung nicht verstanden hat. Paul hebt den verarzteten Hugo vom Tisch und setzt ihn vorsichtig auf dem Boden ab. Während die Menschen einiges besprechen, können auch wir endlich in Ruhe reden.

“Wie fühlst du dich?” frage ich Hugo und strecke mich, um über seine Lefze zu lecken. “Wie überfahren. Aber das ist nichts im Vergleich zu heute Nacht. Danke Wuff, du hast mir das Leben gerettet! Du und Paul, ohne euch..” – “Sag das nicht Hugo. Ich bin froh, dass wir dir helfen konnten. Und weißt du was? Du wohnst jetzt erstmal bei uns! Mein Körbchen ist dir bestimmt zu klein, aber ich überlasse es dir gerne, damit du dich richtig erholen kannst.” berichte ich ihm. “Wauuuuuuu ist das toll! Waauuuuuuu!!” jault Hugo auf vor Freude und erschreckt damit die Menschen, die noch in den Papierkram vertieft waren. “Was ist denn mit dir los Hugo? Hat Wuff es dir etwa schon verraten? Ich hab grad die Papiere für die Pflegestelle unterschrieben und jetzt kommst du mit zu uns.” sagt Paul freudig zu seinem neuen Schützling. “Also die Fäden werden nächste Woche gezogen und bis dahin muss er dieses Ding tragen?” fragt er die Ärztin. “Genau. Die Gefahr, dass er sich kratzt und die Wunde wieder aufreißt ist zu groß.” antwortet sie, während eine Arzthelferin Hugo einen satellitenartigen Kragen um den Hals legt. “Und wenn Sie sonst irgendwelche Fragen haben, rufen Sie uns gerne an. Viel Spaß mit ihrem neuen Mitbewohner!” antwortet sie und schüttelt zum Abschied die Hände von Kirsten und Paul. Hugo sieht plötzlich gar nicht mehr so glücklich aus. “Was ist das? Mach das weg! Mach das weg!” schnufft er und versucht mit den Vorderpfoten den Satellit abzustreifen, doch es gelingt ihm nicht. Paul hockt sich zu ihm runter. “Hey, Hugo, nicht doch! Das ist zu deinem Schutz, das muss ein paar Tage dran bleiben. Na komm, bringen wir dich mal zum Auto.” sagt er und leint Hugo an seinem Geschirr an. Beschämt trottet der braune Labrador neben Paul her während ich nicht aufhören kann zu schmunzeln. Kirsten schüttelt auf dem Weg nach draußen noch ein paar Hände. “Du bist ja bekannt wie ein bunter Hund hier, das wusste ich ja gar nicht” sagt Paul daraufhin zu ihr. “Da siehst du mal, wie viele Schützlinge wir schon vermittelt haben.” sagt Kirsten mit rauchig lachender Stimme. “Kommt ihr morgen zum Kaffee vorbei?” fragt sie noch, während sie ihr Auto aufschließt. “Sehr gerne, diesmal zu dritt!” ruft Paul als Antwort rüber und hebt Hugo in den Kofferraum. Ich stelle mich auf die Hinterpfoten und signalisiere ihm, dass ich neben Hugo sitzen will, so dass er auch mich in den Kofferraum hebt, jedoch mit deutlich weniger Mühe. “Dann fahren wir mal nach Hause.” sagt er noch und schließt den Kofferraumdeckel.
“Hugo, schau nicht so traurig, das sieht gar nicht so doof aus, ehrlich!” versuche ich meinen neuen Mitbewohner aufzuheitern. “Ehrlich?” – “Ja, ehrlich. Hauptsache es hilft. Einen schönen Hund kann nichts entstellen!” mache ich ihm Mut und sein Blick erhellt sich. “Danke Wuff, ich wusste schon immer, du bist ein wahrer Freund. Danke für alles!” wufft Hugo sanft und legt sich umständlich mit dem Kragen hantierend hin. Ich lege mich daneben und gebe ihm Wärme und Beistand.

Während ich zu Hause angekommen mit Hugo erstmal durch das ganze Haus tapse und ihm alles zeige, klingelt es an der Tür. Pauls Freund Stefan kommt zu Besuch, davon wusste ich gar nichts. Ist aber auch egal, Hugo muss unbedingt meinen Lieblingsplatz auf dem Sofa sehen! Und meinen Futternapf! Und die Hundeklappe, die ihm aber leider auch ohne den Satellit um den Hals zu klein wäre. Aber alles andere darf er genau so benutzen wie ich und als ich ihm das sage, sehe ich, wie seine Augen feucht werden. “Das ist das Paradies, Wuff! Das Paradies! Und es ist sauber und warm und weich. Ich weiß nicht, womit ich das verdient hab.” – “Einfach damit, dass du da bist Hugo. Jedes Lebewesen verdient einen solchen Platz und nun hast du endlich einen. Ich freue mich, dass du bei uns bist!”.
Als hätte Paul meine Gedanken gelesen, geht er mit Stefan zur Gartentür, um die Hundeklappe zu begutachten. “Na Jung, die muss definitiv größer werden. Wenn du alles da hast können wir das gleich machen.” sagt Stefan. “Das wär super, dann kann Hugo sich direkt richtig einleben. Das Werkzeug hab ich im Schuppen, bedien dich einfach. Ich muss aber nochmal schnell los bevor der Laden zu macht, Hundefutter und ein großes Hundebett kaufen, die von Wuff sind ihm ja auch viel zu klein. Kann ich dich mit den beiden alleine lassen?” fragt Paul. “Klar, aber bring Bier mit!” – “Alles klar, bis gleich.”. An Hugo und mich gewandt ergänzt Paul noch “Benehmt euch, Jungs, ich bin gleich wieder da.”, schnappt sich die Autoschlüssel vom Tisch und verlässt das Haus. Stefan geht durch den Garten zum Schuppen und holt alles was er braucht. “Achtung ihr beiden, gleich wird’s laut!” sagt er zu uns, als er die Tür zum Garten aushängt und draußen auf Stützen ablegt. Als er die kreischende Maschine startet, an die ich von Pauls Werkstatt schon gewöhnt bin, springt Hugo regelrecht auf, wirft dabei mit seinem großen Schwanz einen Blumentopf um und rennt ins Schlafzimmer. Ich laufe hinter ihm her und finde ihn in einer Pfütze sitzend und zitternd hinter dem Bett vor. “Hugo, das ist nur eine Maschine, alles ist gut. Die tut uns nichts, Stefan auch nicht.” wuffe ich ihm zu. “Laut! Gefahr! Schmerz!” bellt er zurück. “Nein Hugo, hier nicht. Kein Schmerz mehr, keine Gefahr. Alles gut!” erwidere ich und merke, dass Stefan die Maschine abgeschaltet hat und uns gefolgt ist. Er hat die Pfütze zu spät gesehen und steht genau drin, als er sie entdeckt. “Oh nein, verdammt! Ach Hund, du musst doch keine Angst haben! Hörst du? Der Lärm ist schon vorbei. Ich hol dann mal Klopapier.” sagt er, zieht sich die Schuhe aus und lässt sie in der Pfütze stehen. Mit Toilettenpapier bewaffnet kommt er zurück und wischt die Pfütze auf und den Urin von seinen Schuhsohlen, bevor er die Schuhe wieder anzieht. Hugo beobachtet dabei jede seiner Bewegungen, aber das Zittern hat aufgehört. “So, das hätten wir. Jetzt beruhigen wir uns alle wieder und gucken mal, ob die Tür jetzt die richtige Größe hat, einverstanden?” fragt er uns. Hugo bleibt skeptisch, ich gehe aber voraus und er folgt meinem Beispiel langsamen Schrittes Richtung Wohnzimmer.
Stefan hat die bearbeitete Tür bereits wieder eingehängt, da kommt Paul gerade mit einem Sack Futter und einem riesigen Hundebett zur Haustür rein. “Schon fertig? Du bist ja flott!” – “Ja, wollt grade testen, ob es von der Größe her reicht. Hugo fand das nicht so cool, hat eben ins Schlafzimmer gepinkelt, hab ich aber schon aufgewischt.” verrät Stefan sofort. “Ist nicht schlimm Hugo, kann passieren.” sagt Herrchen direkt beschwichtigend an Hugo gewandt. “Schau mal, was ich hier für dich hab” fügt er freudig hinzu und platziert das große Hundebett direkt neben dem Sofa. Hugo beäugt das komfortable Polsterbett misstrauisch. “Hugo, das ist für dich, leg dich mal rein!” wuffe ich ihm zu. “Für mich? Ein richtiges Bett?” – “Ja, so wie es sich gehört. Na los!” ermutige ich ihn und er setzt endlich zaghaft die erste Pfote hinein. Dann die zweite, ganz schnell folgen auch die dritte und vierte und schon liegt der geschundene Labrador seelig in seinem ersten richtigen Hundebett.

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