Dr. Wuff Titelbild
Zeichnung von Heidi Schneider

Dr. Wuff – Kapitel 3: Hugo

Hugo wohnt in unserer Straße, von leben kann man nicht sprechen, denn dafür wird er zu schlecht behandelt. Vom Tag seines Einzugs an wurde er zum Spielball der Launen seines Herrchens. Wenn Herrchen nach der Arbeit bei einem Abrissunternehmen zu betrunken war, um an Hugos Futter zu denken, musste Hugo halt mal eine Weile gucken wo er bleibt. Glücklicherweise kann Hugo regelmäßig unbeobachtet unter dem Zaun seines trostlosen Zwingers durchschlüpfen und auf Streifzüge gehen.

Wie ich Hugo kennen lernte

Auf einem dieser Streifzüge haben Hugo und ich uns kennen gelernt, so ziemlich ganz am Anfang, als Hugo hergezogen war, denn sein Herrchen ist so ziemlich ganz oft betrunken und achtet nicht auf Hugo. Da sein Garten nur ein paar Häuser von unserem entfernt liegt, führte sein Weg direkt an uns vorbei. Angelockt durch den Geruch von frischem Wasser (Menschen wissen ja gar nicht, wie lecker Wasser riechen kann!) führte seine Nase ihn aber nicht vorbei, sondern direkt ab durch die Hecke, wo er unmittelbar auf mich traf. Denn ich lasse zwar jeden Besucher gern herein, schaue mir aber an, wer da so rum schleicht!

Er kam entkräftet, mit traurigen, verdreckten Augen, struppigem braunen Fell und hängenden Ohren auf mich zu, unterwarf sich direkt vor meinen Pfoten und schaute elendig durstig zu der Vogeltränke, die mein Herrchen jeden Morgen mit frischem Wasser füllt.
Meine ersten Worte, zu Hugo, wie zu jedem meiner Patienten, waren: “Du bist hier sicher.”. Er durfte seinen Durst stillen, sich in unserem Garten in einer versteckten ruhigen Ecke ausruhen und ich sagte ihm, er wäre zu jeder Zeit willkommen.

Hin und wieder hebe ich einen Knochen oder eine Wurst auf und versuche, es von Herrchen unbemerkt für Hugo in der Hecke zu verstecken. Bisher hat Herrchen mich nur ein einziges Mal dabei erwischt, als ich gerade damit beschäftigt war, ein bisschen Laub mit der Nase über das gebunkerte Futter zu schieben. Als er mich dabei sah, musste er lachen und sagte “Wuff, willst du das etwa anpflanzen? Das wird dadurch nicht mehr, du lockst nur die Ratten an!”. Er wusste nicht, dass selbst die Ratten wissen, wie schlecht es Hugo geht.

“Hugo, mein Freund! Wie geht es dir heute? Du bist aber schon früh unterwegs! Was ist denn los?” frage ich ihn halb aufmunternd. “Ich kann nicht mehr Wuff! Ich weiß nicht mehr weiter, ich weiß nicht was falsch ist oder richtig. Herrchen ist nie zufrieden.” antwortet Hugo niedergeschlagen mit hängenden Ohren. Bereits seit zwei Jahren humpelt er auf dem rechten Vorderlauf, weil ihn sein Herrchen in einem wütenden Moment gegen die Wand getreten hatte. Hugo hatte zuvor winselnd um Essen gebeten, das war wohl sein Fehler gewesen. Das denkt Hugo jedenfalls nach wie vor, denn Hugo ist ein Labrador.

Ich habe schon mit Hunden der verschiedensten Rassen zusammen gearbeitet, aber keine andere Hunderasse ist so unterwürfig treudoof wie der Labrador. Hugo stellt da keine Ausnahme dar, daher ist es verdammt schwer, den Gedanken aus ihm heraus zu bekommen, er hätte etwas falsch gemacht.

“Dein Herrchen ist mit sich und seinem Leben unzufrieden, Hugo. Du kannst ihm gar nichts recht machen! Du bist ein guter Junge, du machst nichts falsch, aber mit dem falschen Menschen kannst du auch nichts richtig machen!” versuche ich ihn aufzubauen. Es wirkt, zumindest für den Moment. Hugo legt seinen müden Körper entspannt auf die kalten Fliesen unserer Terrasse und schnaubt, als würde ihm eine große Last genommen. “Ich weiß, du hast Recht, Wuff! Aber es ist schwer, mich daran in schlimmen Momenten zu erinnern. Ich will doch nur ein guter Hund sein!” – “Ich weiß Hugo. Und du bist ein guter Hund! Und du weißt, dass du immer einen Platz bei uns hast!” beruhige ich ihn ein wenig. “Danke Wuff, du bist ein wahrer Freund!”

Während ich Hugo ein wenig zur Ruhe kommen lasse, schnuppere ich mich durch meine Termine des Tages.

Milly war an der Hecke, sie hat mir eine Nachricht hinterlassen. Ich rieche Stress und Angst in ihrem Urin und mache mir in Gedanken Notizen.

Oscar, der alte Schlawiner, hat mir in einer anderen Ecke einen Duft hingepupst, der für eine feine Hundenase wie die meine auch noch Stunden danach vorhanden ist. Puh, was hat der Kerl denn gefressen? Es muss enorm lecker gewesen sein, dem Duft nach zu urteilen! Er wird sicher heute noch vorbei schauen, um mir davon zu berichten.

Oscar ist mein bester Freund seit Welpentagen. Er ist ein Rhodesian Ridgeback, also ein ganzes Stück größer als ich, und rennt immer noch wie ein junger Hund über die umliegenden Felder, obwohl wir in etwa gleich alt sind. Sein Herrchen bezeichnet ihn immer als Spring-ins-Feld, was ich ziemlich passend finde.

Ich suche nach einer Spur von Kira, einer meiner besonderen Sorgenfälle, aber ich kann sie nirgends riechen. Ich werde Oscar mal nach ihr fragen, denn er wohnt bei einem Dogwalker aus unserer Gegend und kommt viel rum, deshalb ist er immer top informiert.

“Hey Hugo, hast du Kira irgendwo gerochen?” frage ich in Richtung des inzwischen tiefenentspannten Labradors. “Nein Wuff, schon eine ganze Weile nicht mehr, aber ich frag mal rum. Danke, dass ich hier sein durfte. Ich mache mich jetzt auf den Rückweg, bevor Herrchen aufsteht.” erwidert er niedergeschlagen. “Danke Hugo. Und pass auf dich auf! Halt die Rute steif, du bist und bleibst ein guter Junge, egal was dein Herrchen sagt oder tut!” gebe ich ihm noch mit auf den Weg, da ist er auch schon durch die Hecke geschlüpft und verschwunden.

Ich trotte zurück ins Haus und tapse auf leisen Pfoten ins Schlafzimmer. Immer noch eine Weile bis zum Weckerklingeln. Manchmal bin auch ich einfach typisch Hund, deshalb nehme ich Anlauf und springe auf das Bett, wovon Herrchen augenblicklich wach wird und sich nach einem kurzen Schreck freut mich zu sehen. “Wuff, was machst du denn so früh schon auf? Kannst du nicht mehr schlafen? Na dann komm mal her, du alter Kuschler, leg dich noch was zu mir.” sagt er liebevoll und klopft auf den freien Platz im Doppelbett. Ich folge seiner Aufforderung und lasse mich zufrieden schnaufend neben ihm nieder.

Paul ist ein sehr liebes Herrchen, er behandelt mich gut und tut alles dafür, dass ich ein schönes und gesundes Leben habe. Aber er ist auch eine Art Patient für mich und ich glaube, das weiß er auch.

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