Dr. Wuff Titelbild
Zeichnung von Heidi Schneider

Dr. Wuff – Kapitel 8: Nellys Einzug

Nachdem beide noch einen Kaffee getrunken haben, stehen Paul und Bettina auf und gehen mit einer Transportbox aus dem Büro zur Küchentür. “Wenn ich die Tür öffne wissen wir nicht, wie wir sie vorfinden, also sei vorsichtig. Wir schließen die Tür direkt hinter uns, damit sie nicht entwischen kann. Und dann müssen wir schauen.” – “Alles klar, bin bereit.” erwidert Paul und schlüpft hinter Bettina durch die Küchentür, die sich sogleich wieder schließt. Finny und ich bleiben im Büro und schauen gespannt durch die Tür zum Flur. Kurze Zeit später öffnet sich die Küchentür wieder, beide kommen sichtlich erleichtert mit Nelly in der Transportbox wieder heraus und gehen mit ihr in Richtung der Hundeboxen. “Komm mit Wuff!” ruft Herrchen mich zu sich und ich folge ihnen in kleinem Abstand. Finny putzt sich derweil die Pfoten und bleibt im Büro zurück. Während ich hinter den Menschen her laufe kann ich durch die Luftschlitze der Transportbox die Augen von Nelly erkennen. Sie sieht mich an und ich habe das Gefühl, dass sie verstanden hat.

Kurz bevor wir bei der langen Reihe an Hundeboxen ankommen, laufe ich vor. Ich will Nelly einen ruhigen Einzug ermöglichen. Ich laufe in die Mitte der Boxreihen, das Gebrüll hier ist unerträglich. Alle rufen durcheinander. “Wer bist du?!”, “Was willst du?!”, “Wo ist mein Herrchen?”, “Lass uns hier raus!” bellen sie mir entgegen. Ich sehe auf Anhieb viele neue Gesichter, Bettina hatte ja auch von Neuankömmlingen gesprochen. Ein paar der alten Hasen sitzen gelassen an den Gittertüren und schauen mich einfach erwartungsvoll an. Sie kennen mich und vertrauen mir, ich hoffe, dass mir die Neuen dafür einen Vertrauensvorschuss geben. “Ruhe bitte! Ich heiße Wuff, Dr. Wuff, vielleicht habt ihr von mir gehört. Gleich kommt Nelly, meine neue Patientin, und es geht ihr wahnsinnig schlecht!” wuffe ich in den Gang. “Bitte bleibt ruhig wenn sie hier durch kommen und bedrängt sie nicht! Das ist ganz wichtig für ihre Genesung!” richte ich meine Bitte an die Allgemeinheit. Augenblicklich verstummen einige, das Gebell und Gebrüll verebbt schließlich ganz. Ein Raunen geht durch die Reihen, aus einigen Boxen höre ich ein unterwürfiges Winseln. Im selben Moment kommen Bettina und Paul mit Nelly in der Transportbox am Anfang der Reihe an und laufen auf mich zu. “Wie machst du das nur immer, Wuff?” fragt Bettina an mich gerichtet und schüttelt verblüfft den Kopf. “Ich hab auch keine Ahnung, wie er das macht. Das muss eine Gabe sein. Echt verrückt!” erwidert Paul mit einem Lachen in der Stimme. Ich bin einfach nur dankbar, dass mein Ruf mir voraus eilt und sich bereits bei den neuen herum gesprochen hat. So trotten wir durch einen ruhigen Gang voller fremder Hunde und niemand bedrängt Nelly.

Am Ende der Boxenreihe stehen noch einige frei, die hinterste hat Paul offenbar mit Holz verkleidet und so noch mehr abgeschirmt. Gute Idee! Ich bin froh, dass Bettina so viel von Hunden versteht und sich die richtigen Gedanken macht. Nelly ist gerade total überreizt und muss erstmal zur Ruhe kommen. Da ist ein Sichtschutz als erste Maßnahme gut geeignet. Bettina stellt die Transportbox vorsichtig in der Box ab, öffnet und entfernt die kleine Tür davon und geht rückwärts aus der Box. Die Boxentür, die sie nun schließt, wurde nicht verkleidet, so dass man noch ungehindert rein schauen kann. Ihr gegenüber ist jedoch kein Hund unter gebracht, so dass auch dort niemand stören kann.
“Wir sollten sie jetzt erstmal zur Ruhe kommen lassen” sagt Bettina in ruhigem Ton. “Komm, wir müssen das Futter vorbereiten. Die Raubtierfütterung beginnt bald” fügt sie grinsend hinzu und sie und Paul gehen zurück zum Eingang. Ich bleibe noch einen Moment vor der Box stehen, schaue aber nicht hinein. Nelly ist auf engstem Raum eingepfercht in der Transportbox, sie hat sich noch nicht hinaus getraut. “Denk daran Nelly, du bist sicher.” wuffe ich leise. “Ich gehe nun, aber ich komme regelmäßig vorbei und schaue nach dir. Finny ist für dich da, du kannst mit ihm reden. Alles wird gut Nelly, versprochen!”.

Ich laufe schnellen Schrittes zurück Richtung Büro, wuffe gedanklich an alle ein “Danke Leute!” in die Runde und schließe schnell zu den Menschen auf. Die haben vor lauter Menschenthemen gar nicht gemerkt, dass ich ihnen nicht direkt gefolgt war. “Wie geht es der Frau denn jetzt? Hast du irgendeine Kontaktmöglichkeit zu Verwandten von ihr?” fragt Paul besorgt. “Die Polizei hat mir gesagt, dass ihr Mann und Sohn bei dem Feuer umgekommen sind und sie ansonsten keine Familie hier hat. Sie hat wohl noch eine Schwester, die lebt aber nicht in Deutschland. Deshalb bleibt Nelly erstmal hier und das kann sie auch, bis die Frau, Linda heißt sie übrigens, sich ganz erholt hat. Noch liegt sie wohl im Koma und auch die Reha wird ihre Zeit in Anspruch nehmen, aber das ist okay, Nelly wird sich hier schon einleben.” erwidert Bettina hoffnungsvoll. Aber auch ich bin guter Dinge, dass Nelly sich gut im Tierheimrudel einfinden und zur Ruhe kommen wird, wenn ich erstmal mit ihr gearbeitet habe.

“Soo, jetzt haben wir die Küche wieder frei und können los legen mit dem Aufteilen. Habt ihr Lust mir zu helfen oder seid ihr auf dem Sprung?” fragt Bettina, die Hände in die Hüften stemmend an Paul und mich gerichtet. Ich antworte freudig wedelnd und Paul als mein Sprachrohr im Herzen mit “Na klar helfen wir dir! Wenn du danach noch was zu reparieren hast, kann ich das auch noch erledigen, wir haben heute nichts mehr vor, du kennst uns Langweiler doch.” fügt er zwinkernd hinzu. Bettina holt daraufhin lachend einige Näpfe aus der Spülmaschine, verteilt sie auf dem Küchentisch und hält nochmal inne. “Ha, ihr Langweiler! So viel Action wie ihr in unser Leben gebracht habt, da kann von Langeweile nicht die Rede sein!” Dann wird sie nachdenklich und fügt hinzu: “Danke Paul, dass du immer für uns da bist und uns so unter die Arme greifst! Ich weiß, dein ursprünglicher Grund dafür ist sehr traurig, aber ich bin sehr froh, dass du damals bei uns vor der Tür standest, nicht nur weil du Finny und Wuff und die anderen Welpen im Gepäck hattest. Auch, weil du uns geholfen hast ein besseres Heim zu werden und mit den vielen kleinen Aktionen den Unterhalt weiter aufbringen zu können. Ohne dich wäre hier längst das Licht aus, ich hoffe und fürchte zugleich, dass du das weißt.”. Paul antwortet mit einer Umarmung “Du weißt, ich bin immer für euch da, ihr gehört zu unserer Familie und da ist es doch selbstverständlich, dass ich anpacke wo ich nur kann!” Als sie sich aus der Umarmung lösen fügt Paul noch hinzu: “Wenn das Futter verteilt ist, lass uns doch mal überlegen, was wir für den Flohmarkt basteln könnten.”. Finny, der von dem Wort “Futter” magisch angelockt wurde, unterbricht in dem Moment in die Küche stürmend die Unterhaltung. “Futter! Hunger! Frauchen! Futter!” bellt er Bettina entgegen, sie versteht natürlich kein Wort, aber den Sinn dahinter. Und so gehen die ersten beiden gefüllten Näpfe an meinen Bruder und mich und während wir die Schnauzen schmatzend in den Näpfen versenken, werden auch die restlichen Näpfe gefüllt und auf einen Tablettwagen gestellt.

Ob ich mich gleich nochmal zu Nelly schleichen kann?

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